Zum Inhalt springen
Donnerstag, 17. September 2026 Regionalmagazin für Niederbayern

Regionalmagazin für Wohnen, Handwerk und Wirtschaft

Handwerk

Volle Auftragsbücher, leere Werkbänke: Das Handwerk in Ostbayern 2026

Meister und Auszubildender an der Werkbank einer Schreinerei
Rund 13.300 Lehrlinge werden im ostbayerischen Handwerk ausgebildet. Symbolbild

Fast 43.000 Betriebe, 219.000 Beschäftigte, 37,4 Milliarden Euro Umsatz: Das ostbayerische Handwerk ist ein Schwergewicht. Trotzdem blicken die Betriebe verhalten auf 2026 – das Problem liegt weniger in den Auftragsbüchern als auf der Werkbank.

Wer in Niederbayern einen Handwerker sucht, kennt die Antwort schon vor dem Anruf: „Frühestens in acht Wochen.“ Was für Kunden ärgerlich ist, wirkt auf den ersten Blick wie ein Zeichen wirtschaftlicher Stärke. Der zweite Blick zeigt ein differenzierteres Bild – und ein strukturelles Problem, das die Region über Jahre beschäftigen wird.

Die Zahlen: ein unterschätzter Wirtschaftsfaktor

Der Kammerbezirk der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz umfasst rund 42.965 Handwerksbetriebe. Darunter sind über 20.000 selbstständige Unternehmen in zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Gewerken. Zusammen beschäftigen sie etwa 219.000 Menschen und erwirtschaften einen Nettoumsatz von rund 37,4 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: In ganz Niederbayern leben rund 1,28 Millionen Menschen. Der Kammerbezirk reicht zwar über den Regierungsbezirk hinaus, doch die Größenordnung macht deutlich, welches Gewicht das Handwerk in einer Region hat, die sonst vor allem über die Automobilindustrie – allen voran das BMW-Werk in Dingolfing – wahrgenommen wird.

Ausgebildet werden im ostbayerischen Handwerk derzeit rund 13.300 Lehrlinge. Das ist eine beachtliche Zahl, gemessen am Bedarf aber zu wenig.

Volle Bücher, gedämpfte Stimmung

Die Konjunkturerwartungen für 2026 sind zurückhaltend. Betriebe rechnen mehrheitlich nicht mit einer spürbaren Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Nur etwa jeder zehnte Betrieb erwartet einen Beschäftigungsaufbau, während knapp ein Drittel mit einem Rückgang rechnet.

Das klingt widersprüchlich zu den langen Wartezeiten, hat aber eine klare Erklärung: Die Auslastung stammt in vielen Gewerken aus Instandhaltung, Reparatur und Sanierung – nicht aus Neubau. Der Wohnungsneubau ist bundesweit eingebrochen, und ausbaunahe Gewerke spüren das als Erstes. Gleichzeitig sorgen energetische Sanierungen und die Förderkulisse beim Heizungstausch für konstante Nachfrage bei Sanitär-, Heizungs- und Elektrobetrieben.

Für Kunden bedeutet das eine ungewohnte Situation: Wartezeiten sind kein Zeichen dafür, dass der Betrieb Aufträge sammelt – sondern dafür, dass ihm Personal fehlt, um sie abzuarbeiten.

Drei Baustellen, die den Betrieben zusetzen

Fachkräftebedarf

Rund ein Viertel der Betriebe sieht in fehlendem qualifiziertem Personal eine ernsthafte Einschränkung der eigenen Entwicklungsmöglichkeiten. Das trifft nicht nur klassische Bauberufe: Auch Kfz-Technik, Bäckerei, Fleischerei und Friseurhandwerk melden seit Jahren unbesetzte Stellen. Die demografische Entwicklung verschärft das – die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den nächsten zehn Jahren in Rente.

Betriebsnachfolge

Die stillere, aber folgenreichere Baustelle. Ein erheblicher Teil der Inhaber steht in den kommenden Jahren vor der Übergabe, ohne dass ein Nachfolger feststeht. Wenn ein Betrieb mit acht Beschäftigten mangels Nachfolge schließt, verschwinden nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Ausbildungsplätze und Versorgungsstrukturen – gerade in kleineren Gemeinden ist das spürbar.

Digitalisierung

Vom digitalen Aufmaß über die Baustellendokumentation bis zur E-Rechnung: Die Anforderungen steigen, die personellen Ressourcen für die Umstellung sind in Kleinbetrieben knapp. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz unterstützt hier mit Beratungsangeboten, doch die Umsetzung bleibt Sache der Betriebe.

Was das für Auftraggeber heißt

  • Früher planen. Für größere Gewerke sind drei bis sechs Monate Vorlauf realistisch. Wer im Herbst eine Heizung tauschen will, fragt im Frühjahr an.
  • Vollständig anfragen. Betriebe priorisieren Anfragen, die konkret sind: Objekt, Bestandsangaben, Fotos, Zeitfenster. Eine gut vorbereitete Anfrage wird schneller beantwortet als eine vage.
  • Regionale Betriebe bevorzugen. Kurze Wege bedeuten geringere Anfahrtskosten und schnellere Reaktion bei Nacharbeiten – ein Argument, das bei Gewährleistungsfällen mehr wiegt als ein Preisvorteil von fünf Prozent.
  • Bündeln. Wer mehrere Maßnahmen zusammenlegt, ist als Auftraggeber attraktiver und spart Rüstzeiten.

Der Blick nach vorn

Das ostbayerische Handwerk steht nicht vor einem Nachfrageproblem, sondern vor einem Kapazitätsproblem. Ob sich das entspannt, hängt weniger an der Konjunktur als an drei Faktoren: der Zahl der Ausbildungsverträge, der Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte und der Frage, wie viele der anstehenden Betriebsübergaben gelingen.

Für die Region ist das mehr als eine Branchenfrage. Ein funktionierendes Handwerk ist die Voraussetzung dafür, dass Bestandsgebäude saniert, Wärmenetze gebaut und Ortskerne belebt werden können. Fehlt es, bleiben Fördermittel liegen – nicht weil das Geld fehlt, sondern weil niemand da ist, der die Arbeit ausführt.

Häufige Fragen

Wie finde ich einen seriösen Handwerksbetrieb in meiner Nähe?

Die Betriebsdatenbank der Handwerkskammer listet alle eingetragenen Betriebe des Kammerbezirks nach Gewerk und Ort. Achten Sie auf Eintragung in die Handwerksrolle, eine ladungsfähige Anschrift im Impressum und ein schriftliches Angebot mit Leistungsverzeichnis.

Warum sind die Stundensätze so unterschiedlich?

Stundensätze bilden nicht nur den Lohn ab, sondern Gemeinkosten, Fahrzeuge, Werkzeug, Versicherung und Gewährleistungsrücklagen. Auffällig niedrige Sätze gehen häufig mit Zusatzposten bei Anfahrt, Material und Entsorgung einher. Vergleichbar wird ein Angebot erst über die Gesamtsumme.

Lohnt sich eine Ausbildung im Handwerk noch?

Die Rahmenbedingungen sind so gut wie lange nicht: hohe Übernahmequoten, Aufstiegsfortbildung bis zum Meister, gute Selbstständigkeitsperspektiven durch die anstehende Nachfolgewelle. Wer heute eine Werkstatt übernehmen will, findet mehr Angebote als Interessenten.

Fazit

Das Handwerk in Ostbayern ist wirtschaftlich stabil, aber personell am Limit. Für Auftraggeber heißt das: Planungsvorlauf einkalkulieren und Anfragen sorgfältig vorbereiten. Für die Region heißt es: Die Nachfolgefrage entscheidet in den nächsten Jahren darüber, wie dicht das Netz an Betrieben in der Fläche bleibt.

Weitere Beiträge aus der Region finden Sie in den Rubriken Handwerk und Region. Praktische Hilfe bei akuten Problemen im Haus gibt unser Ratgeber zum verstopften Abfluss.

Region

Wohnen in Niederbayern: Wo die Mieten 2026 stehen

Luftaufnahme einer niederbayerischen Kleinstadt mit Kirchturm und umgebenden Feldern
Zwischen Zentren und Umland liegen bei den Mieten vier bis fünf Euro je Quadratmeter. Symbolbild

Landshut liegt inzwischen bei über 13 Euro pro Quadratmeter, im Landkreis Deggendorf sind es weniger als neun. Zwischen den niederbayerischen Zentren und ihrem Umland hat sich eine Lücke aufgetan, die das Pendlerverhalten in der Region verändert.

Niederbayern gilt als bezahlbare Alternative zum Münchner Umland – und im bayernweiten Vergleich stimmt das auch. Innerhalb der Region ist das Bild allerdings deutlich uneinheitlicher, als es die Außenwahrnehmung vermuten lässt. Wer 2026 eine Wohnung sucht, zahlt in Landshut fast fünf Euro pro Quadratmeter mehr als 40 Kilometer weiter östlich.

Die aktuellen Mietpreise im Überblick

Die Angebotsmieten für Wohnungen liegen 2026 in der Region auf folgendem Niveau:

  • Landshut: rund 13,44 €/m² für Wohnungen, etwa 10,65 €/m² für Häuser
  • Passau: rund 9,95 €/m²
  • Straubing: rund 9,42 €/m²
  • Landkreis Straubing-Bogen: rund 8,63 €/m²
  • Landkreis Deggendorf: rund 8,49 €/m²

Zur Einordnung: Der bayernweite Durchschnitt lag im zweiten Quartal 2026 bei etwa 10,64 €/m² nach 10,24 €/m² im Vorjahresquartal – ein Anstieg von rund 3,9 Prozent binnen eines Jahres. Landshut liegt damit deutlich über dem Landesschnitt, Passau und Straubing darunter, die ländlichen Landkreise klar darunter.

Warum Landshut aus der Reihe fällt

Der Abstand Landshuts zu den übrigen niederbayerischen Zentren hat wenig mit der Stadt selbst zu tun und viel mit ihrer Lage. Landshut liegt gut 60 Kilometer von München entfernt, mit direkter Bahnanbindung und Autobahnanschluss. Damit ist die Stadt für Pendler in den Münchner Arbeitsmarkt erreichbar – und übernimmt einen Teil des Preisdrucks, der aus der Landeshauptstadt herausschwappt.

Hinzu kommt der Arbeitsmarkt vor Ort: Das BMW-Werk in Dingolfing, das größte des Konzerns in Europa, liegt im Nachbarlandkreis. Zusammen mit der Zuliefererstruktur bindet es qualifizierte Beschäftigte in die Region, die entsprechende Wohnkosten tragen können.

Passau und Straubing folgen einer anderen Logik. Passau ist Universitätsstadt mit hohem Anteil an Studierenden und einer entsprechend eigenen Nachfragestruktur im kleinen Segment. Straubing ist wirtschaftlich stark, aber weiter vom Münchner Sog entfernt. Beide Städte bewegen sich damit unter dem bayerischen Mittel.

Das Umland profitiert – mit Nebenwirkungen

Die Preisdifferenz zwischen Landshut und den ländlichen Landkreisen von vier bis fünf Euro je Quadratmeter ist erheblich. Bei 80 Quadratmetern entspricht das 320 bis 400 Euro Kaltmiete im Monat. Für viele Haushalte ist das der ausschlaggebende Betrag – und der Grund, warum Gemeinden im Umland der Zentren Zuzug verzeichnen.

Für die betroffenen Gemeinden ist das ambivalent. Einerseits stabilisiert der Zuzug Kindergärten, Schulen und Vereine. Andererseits steigt der Druck auf die Infrastruktur: Straßen, Kita-Plätze, ÖPNV. Der Regierungsbezirk umfasst 255 Gemeinden auf 10.325 Quadratkilometern – die Fläche ist reichlich vorhanden, die Anbindung nicht überall.

Ein zweiter Effekt betrifft den Bestand. Wer im Umland kauft statt in der Stadt zu mieten, landet häufig bei einem Bestandsgebäude aus den 1960er- bis 1980er-Jahren. Dessen Sanierungsbedarf relativiert den Preisvorteil schnell – worauf dabei zu achten ist, haben wir in unserem Beitrag zu den häufigsten Mängeln beim Hauskauf im Bestand zusammengestellt.

Kaufen oder mieten – eine Rechnung mit mehreren Unbekannten

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, aber sie lässt sich strukturieren. Drei Faktoren entscheiden:

  1. Die Haltedauer. Kaufnebenkosten von rund zehn Prozent amortisieren sich erst über Jahre. Unter sieben bis zehn Jahren geplanter Nutzung ist Mieten in der Regel im Vorteil.
  2. Der Sanierungsstand. Ein unsaniertes Haus mit Ölheizung, alten Fenstern und ungedämmtem Dach bindet nach dem Kauf schnell einen sechsstelligen Betrag. Die Förderkonditionen für den Heizungstausch 2026 mildern das ab, decken aber nur einen Teil.
  3. Die Verfügbarkeit von Handwerkern. Wer saniert, braucht Betriebe – und die sind in der Region ausgelastet. Realistische Zeitpläne gehören in die Kalkulation, wie unsere Auswertung zum Handwerk in Ostbayern zeigt.

Häufige Fragen

Gilt in niederbayerischen Städten eine Mietpreisbremse?

Die Mietpreisbremse gilt nur in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt, die per Landesverordnung festgelegt werden. Ob Ihre Stadt dazugehört, erfahren Sie bei der Stadtverwaltung oder im aktuellen Verordnungstext des Freistaats. Die Liste wird regelmäßig überarbeitet.

Woher stammen die genannten Quadratmeterpreise?

Es handelt sich um Angebotsmieten aus öffentlich zugänglichen Marktauswertungen der großen Immobilienportale für das Jahr 2026. Angebotsmieten liegen typischerweise über den Bestandsmieten laufender Verträge – als Orientierung für eine anstehende Suche sind sie dennoch der realistischere Wert.

Wo finde ich verlässliche regionale Strukturdaten?

Das Bayerische Landesamt für Statistik veröffentlicht Bevölkerungs- und Bauzahlen bis auf Gemeindeebene. Die IHK Niederbayern stellt zusätzlich Strukturdaten und Auswertungen zum Gewerbeimmobilienmarkt bereit.

Wie entwickeln sich die Preise weiter?

Seriös prognostizieren lässt sich das nicht. Die beobachtbaren Treiber – Zinsniveau, Baukosten, schwacher Neubau und anhaltender Zuzug in die Zentren – sprechen kurzfristig eher für weiter steigende als für sinkende Angebotsmieten, insbesondere in Landshut.

Fazit

Niederbayern ist kein einheitlicher Wohnungsmarkt, sondern mindestens zwei: ein von München beeinflusster Korridor um Landshut und Dingolfing – und ein deutlich günstigerer ländlicher Raum. Wer flexibel ist und Pendelzeiten akzeptiert, findet in den Landkreisen weiterhin Mieten unter neun Euro. Wer in die Stadt will, zahlt in Landshut inzwischen Preise, die vor wenigen Jahren noch dem Münchner Speckgürtel vorbehalten waren.

Weitere Auswertungen aus der Region finden Sie in der Rubrik Region, praxisnahe Beiträge rund um die eigene Immobilie unter Haus & Wohnen.